Mit dem BGH-Urteil vom April 2016 wurde die Jahrzehnte währende Verteilpraxis der VG Wort für nicht rechtens erklärt, Verlage damit unvermittelt ins Unrecht gesetzt. Ohne eigenes Zutun erhalten sie auf der Grundlage des gleichen Gesetzes, das zuvor Jahr für Jahr Teil der wirtschaftlichen Kalkulation war, nun keine Entschädigungen für die Zweitverwertung der von ihnen verlegten Werke mehr – und sie müssen zudem bis zum Frühjahr 2017 Beträge zurückzahlen, die 20% bis 200% des durchschnittlichen Jahresgewinns ausmachen.  Die Zahlungsaufforderungen ergingen im Oktober 2016 mit Zahlungsziel 30.11.2016. Die genauen Zahlungsmodalitäten standen aber erst nach der VG-Wort-Mitgliederversammlung vom 26.11.2016 fest. Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, dass die AutorInnen ihren Verlagen die Rückforderung erlassen können, indem sie gegenüber der VG Wort eine entsprechende Erklärung abgeben.

Wir danken der Mitgliederversammlung der VG Wort, dass sie am 26.11.2016 ihr Möglichstes getan hat, den Verlagen wirtschaftlichen Überlebensspielraum zu lassen! Durch das nun mögliche Einbeziehen der AutorInnen können diese sich in einem von der VG Wort angebotenen, für sie anonymen Verfahren dafür aussprechen, die bereits ausgezahlten Verlagsanteile der Jahre 2012 bis 2015 bei den Verlagen zu belassen, also auf die Rückabwicklung zu verzichten.

Angesichts dieser Situation, die von einem auf den anderen Tag nach fast 60 Jahren Recht zu Unrecht erklärt und Verlage ohne Vorbereitung mit derartiger Härte trifft, fordern wir die Politik zu entschlossenem Handeln auf!

Wir fordern den Gesetzgeber auf, …

  1. den Geist der Vereinbarung, der die Grundlage für die Kooperation von AutorInnen und Verlagen in der VG Wort seit Jahrzehnten war, im Buchstaben des Gesetzes festzuschreiben! Dies entspricht auch dem erklärten Willen der Mitglieder der VG Wort. Wir begrüßen in diesem Zusammenhang ausdrücklich die am 15. Dezember 2016 zustande gekommene Übergangsregelung, die eine optionale Beteiligung von Verlagen an den Entschädigungen durch die VG Wort ermöglicht.
  2. … einen Hilfsfonds für Verlage aufzulegen!
    Nicht allein existenziell bedrohte Verlage sollten den Hilfsfonds nutzen können. Denn selbst Verlage, deren Existenz von den hohen Rückzahlungen nicht bedroht ist, müssen gegebenenfalls Kredite aufnehmen; auch dafür vereinfachte Verfahren und günstige Konditionen zu garantieren, kann die Aufgabe eines solchen Hilfsfonds sein.